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ÜBER MICH
Leben

Ist Fußball mein Leben?

Ist Fußball Dein Leben, werde ich bisweilen gefragt.

Eine Frage, die sich vermutlich aufdrängt. Rund 120 Fußballbücher tragen inzwischen meinen Namen, und viele verbinden mich mit Fußball.

Doch ist Fußball wirklich mein Leben?

Nun, ich kann mich sicher glücklich schätzen:  Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, darf mich den ganzen Tag über mit Fußball beschäftigen und dafür sogar in der ganzen Welt umhergondeln. Es gibt sicher unangenehmere Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Aber mein Leben?

Sicher: Fußball hat mich mein Leben lang begleitet. Geboren und aufgewachsen in Dortmund, schleppte mein Vater mich früh mit in die vielen Stadien des Ruhrpotts. Als wir 1975 nach Göttingen verzogen, verschenkte ich in einem tragischen Akt kindlichen Leichtsinns mein Herz an den damaligen Zweitligisten Göttingen 05. Ich Ahnungsloser wusste nicht, auf was ich mich einlassen würde!

Zugleich hatte ich das Glück, in einer Zeit aufzuwachsen, in der nicht nur Göttingen 05 sondern auch Vereine wie die SpVgg Erkenschwick, der VfR Heilbronn oder Wacker 04 Berlin noch "oben" spielten. Der Spitzenfußball war noch in der Breite aufgestellt, die Sportschau wurde nicht automatisch vom FC Bayern dominiert und das Motto „Support your local football club" war für viele eine Selbstverständlichkeit.

In Göttingen begann ich, Anstecknadeln von den Gegnern meiner 05er zu sammeln und mich mit der Geschichte der Klubs zu beschäftigen. Parallel engagierte ich mich in der Gewerkschaft und forschte zur Arbeiterhistorie. Fußball und Arbeiterbewegung – das sind zwei der spannendsten Aspekte in der Geschichte nicht nur Deutschlands, die vielfach miteinander verwoben sind.

Das fand ich bald heraus und forcierte meine Recherchen daraufhin. 1992 erschien im Agon Sportverlag Kassel mein erstes Buch "Die Deutschen Vereine seit 1903", in dem ich die Resultate meiner Forschungen erstmals zwischen zwei Buchdeckel packen konnte.

Seitdem hat sich Fußball ziemlich verändert. Fußball ist heute nicht mehr der etwas anrüchige Proletensport, sondern von der Eventkultur eingenommen. Spätestens seit der WM 2006 ist Fußball „in“, was zu einer gewaltigen Veränderung in den Rahmenbedingungen geführt hat. Manche sehen die Substanz des Fußball inzwischen nachhaltig bedroht.

Ich sehe meine Rolle als Journalist und Autor darin, Gegenwart und Vergangenheit des Fußballs in all ihren Facetten und Ausprägungen (örtlich wie emotional) festzuhalten und „greifbar“ zu präsentieren. Fußball hat und hatte als Massenbewegung immer eine große Breitenwirkung, die oftmals einen direkten Einfluss auf die Stadt- oder Regiongeschichte hatte. Nehmen wir nur Orte wie Kaiserslautern, Schalke oder Aue, die ohne Fußball nicht annähernd so bekannt wären.

Gleichzeitig möchte ich dazu beitragen, dass der Erosion der Fußballkultur in der Breite ein wenig Einhalt geboten wird und auch lokal bzw. regional wirksame Klubs eine Existenzgrundlage behalten. Fußball in Deutschland ist eben nicht nur Bayern München und Co, das ist auch VfB Schrecksbach, Altona 93 und Wacker Nordhausen!

So konnte ich mich in den vergangenen Jahren sowohl mit "großen" Klubs wie Schalke 04, VfB Stuttgart und Hannover 96 beschäftigen, als auch in der Reihe "Legendäre Fußballvereine" mit regionalen Mythen vom Kaliber Viktoria Aschaffenburg und Arminia Hannover. Hinzu kommt die Vielfalt der Fankultur, der ich im Buch "Wenn Spieltag ist" nachgespürt habe und zu der ich eine bildergestützte Lesung anbiete. 

In einer zweibändigen Weltfußballenzyklopädie bin ich zudem der Frage nachgegangen, wie „the beautiful game“ eigentlich in Ländern wie Papua Neu-Guinea, Sudan oder Venezuela funktioniert (und habe dabei die "Großen" wie Brasilien oder England natürlich nicht vergessen.

2015 gründete ich gemeinsam mit Frank Willig das seitdem alle drei Monate erscheinende Magazin Zeitspiel - Magazin für Fußball-Zeitgeschichte. Darin kümmern wir uns um Themen, die in der allgemeinen Berichterstattung über den "großen" Fußball gerne mal unter den Tisch fallen und verbinden die verschiedenen Aspekte von Fußball- und Gesellschaftsgeschichte. Fußball war und ist eben weit mehr als nur ein "Sport". Das zeigt sich auch an bisherigen Zeitspiel-Schwerpunktthemen wie beispielsweise "Fußball und Flucht, Vertreibung, Migration, Integration", "100 Jahre Copa América" oder "Derbys und Rivalitäten".

Abseits des Fußballs ist es der Radsport, der mich seit langem fasziniert. Nicht der Profiradsport, sondern der Amateur- bzw. Hobbyradsport. 2011 nahm ich an der Tour d’Afrique teil, dem längsten Radrennen der Welt. Über vier Monate und 12.000 Kilometer ging die Reise dabei von Kairo (Ägypten) nach Kapstadt (Südafrika). Von unterwegs berichtete ich für diverse Tageszeitungen sowie das Fachmagazin „Tour“. Es gibt ein Buch zur ("Tour d'Afrique", Verlag Delius-Klasing), außerdem biete ich einen Bilder- und Videoabend an.

2014 ging es für mich dann im Radrennen "The Andes Trail" vom "Mittelpunkt der Welt" (dem Äquator nördlich der ecuadorianischen Hauptstadt Quito) bis zum "Ende der Welt" nach Ushuaia in Patagonien. Auch dazu habe ich ein Buch veröffnetlicht (Jenseits der Komfortzone, Verlag Die Werkstatt) und biete einen Bilder- und Videoabend an.

Ist Fußball also mein Leben?

Nein, das sicher nicht. Das Leben ist komplexer. Aber ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist er schon, der Fußball.
Buchpräsentation Schalke

Buchpräsentation 2010 in Gelsenkirchen

germanpirates

Mit Chris beim Rovers-Match at Wimbledon

Guingamp

Mit Guy von der Kop Rouge 29 bei einem Guingamp-Spiel

Zeitspiel

Die ersten vier Ausgaben von Zeitspiel

Ushuaia

Am Ende von The Andes Trail in Ushuaia

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