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Vereine

FC Wacker München

Aus: Das große Buch der deutschen Fußballvereine


Einer der ganz großen des Münchner Fußballs und phasenweise sogar das Aushängeschild des süddeutschen Spitzenfußballs.

1903 gegründet und bis zum Ersten Weltkrieg unter dem Schirm diverser anderer Vereine vor allem aus dem Turnerlager stehend, schafften die „Blausterne" in den 1920er Jahren ihren Durchbruch. Als sie 1922 zum ersten Mal die Süddeutsche Meisterschaft nach München holten, stand die gesamte Isarstadt hinter den Blau-Schwarzen aus Sendling, die sich weitverbreiteter Beliebtheit erfreuten.

Vater des Erfolges war Eugen Seybold, Gründer des Fachblattes „Fußball", der mit Alfréd Schaffer sogar einen ungarischen Ausnahmefußballer nach München gelockt hatte und bei seinen „Blausternen" unter verkapptem Profitum arbeiten ließ. Mit Heinrich Altvater stand zudem ein deutscher Nationalspieler in der Erfolgself. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft wurden die „Blausterne" seinerzeit als Meisterfavorit gehandelt, scheiterten jedoch bereits im Halbfinale an einem furios aufspielenden Hamburger SV, der mit 4:0 gewann. 1928 erreichte der FC Wacker abermals die Endrunde um die „Deutsche" und musste sich erneut erst im Halbfinale geschlagen geben – diesmal der Berliner Hertha.

Anschließend gerieten die „Blausterne" zunehmend in den Schatten der aufstrebenden Lokalrivalen FC Bayern und 1860, die die lokale Führung übernahmen.

Für Wacker blieb lange Zeit zumindest die Rolle als Münchner Nummer drei, wobei der Klub unverändert als „heimlicher Liebling" unter vielen Münchner Fußballfans galt. Sportlich indes ging es schleichend bergab. 1938 verlor man erstmals den Erstligastatus, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Etablierung in der Oberliga Süd um Längen verfehlt, rutschte Wacker gar hinab bis in die Drittklassigkeit. Unter dem ehrgeizigen Präsidenten Alfred Fackler gelang Anfang der 1960er Jahre die Renaissance, die die „Blausterne" 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Regionalliga Süd zählen ließ. Doch der geliebten Heimstatt an der Sendlinger Kidlerstraße beraubt und in die weitab des Heimatkiezes gelegene Leichtathletikarena Dantestadion vertrieben, wandte sich Glücksgöttin Fortuna von der Wackeranern ab. Der Klassenerhalt in der Regionalliga wurde verfehlt, und erst 1970 gelang unter Trainer Charly Mai die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse. Dem erneuten direkten Abstieg folgte 1972/73 der dritte Versuch, sich in der Regionalliga Süd zu etablieren, der jedoch unter dem Ex-Löwen Hans Auernhammer ebenfalls misslang. Immerhin konnte im selben Jahr die neuerrichtete Bezirkssportanlage an der Demleitner Straße bezogen und damit die Rückkehr nach Sendling gefeiert werden.

Zwischenzeitlich hatte sich der seit den frühen 1950er Jahren aktive Päsident Fackler zurückgezogen, und auf den FC Wacker kamen schwere Zeiten zu. Das letzte Lebenszeichen setzte der Klub 1975/76, als er sich im Entscheidungsspiel gegen Würzburg 04 die Bayernmeisterschaft sicherte, auf den damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga jedoch verzichtete, weil das finanzielle Risiko zu hoch war. Bis 1989 verdingten sich die „Blausterne" bei dramatisch zurückgehenden Zuschauerzahlen noch als Fahrstuhlmannschaft zwischen Bayern- und Landesliga, ehe ihr dramatischer Absturz einsetzte. Als man von 1992-94 dreimal in Folge abstieg, wurde die Mannschaft sogar vom Spielbetrieb abgemeldet, und der FC Wacker musste 1995/96 in der C-Klasse München, Gruppe 16 einen Neustart beginnen.

Auf die Beine gekommen ist der Klub, dessen Damenabteilung zu den Pionieren im Münchner Frauenfußball zählte und heute als FFC Wacker eigenständig ist, nie wieder. 2009/10 gingen die stolzen „Blausterne" in der A-Klasse auf Punktejagd.

Dieser Artikel stammt aus meinem Buch "Das große Buch der Deutschen Fußballverein".

Wacker München



Deutsche Vereine

VfB Schrecksbach

Aus: Legendäre Fußballvereine Hessen


VfB Schrecksbach: Das erste Oberligadorf der Geschichte

Dass Fußball ein Werbeträger par excellence ist, dürfte allgemein bekannt sein. Wer beispielsweise würde von dem Örtchen Schrecksbach wissen, hätten nicht die lokalen Balltreter über viele Jahre hinweg hessische Fußballgeschichte geschrieben? Zwei Spielzeiten mischten die Blau-Weißen aus der 1 600-Einwohner-Gemeinde im Herzen der Schwalm sogar im hessischen Oberhaus mit – zuletzt 1983/84, als zwanzig Punkte allerdings nicht zur Rettung reichten.

Schrecksbachs bemerkenswert Fußball-Aushängeschild erblickte am 1. März 1921 als „Verein für Bewegungsspiele“ das Licht der Welt. Wie fast überall hatte Fußball nach dem 1. Weltkrieg auch im von Kleingewerbe geprägten Schrecksbach das Turnen verdrängt. Später entstand noch ein Arbeitersportverein, dessen blau-weiße Farben der VfB 1945 übernahm.

Nach einem Jahrzehnt auf Kreisebene geriet der an der Holzburger Straße ansässige Klub Mitte der 1950er Jahre mit dem Durchmarsch von der A-Klasse in die 2. Amateurliga erstmals in die Schlagzeilen. Seinerzeit stand mit Linksaußen Heinrich Kalbfleisch sogar ein Hessenauswahlspieler in den VfB-Reihen – viermal wurde der Schrecksbacher Linksaußen von HFV-Auswahltrainer Rudi Gellesch für Repräsentativspiele angefordert.

Zwischenzeitlich bis in die B-Klasse abgestürzt, knüpften die stets auf Nachwuchsförderung bauenden Schwälmer Ende der 196oer Jahre allmählich an alte Erfolge an. Als wenig später die Schrecksbacher A-Jugend in die hessische Leistungsklasse aufstieg, brach schließlich eine mitreißende Erfolgsära an, die vom administrativen „Drei­gestirn“ um Jugendleiter Georg Lange, Fußballfachwart Wilhelm Heipel und „Manager“ Manfred Siegordner begleitet wurde. Unter Führung von Abwehrspieler Hans-Dieter „Tango“ Diehl erreichte der VfB 1973 mit einem 3:0-Entscheidungsspielsieg über den FC Homburg sogar die Gruppenliga Nord und schloss damit zu Nachbar Tuspo Ziegenhain auf. Die Siegesserie riss in der vierten Liga keineswegs ab. Platz neun im Aufstiegsjahr war garniert mit allseits bestaunten Siegen über die Kasseler Spitzenklubs BC Sport (4:1), Hermannia (2:0) sowie VfL (2:0) und wurde in der Spielzeit 1974/75 völlig unerwartet von der Vizemeisterschaft gekrönt. Der VfB hatte sogar Pech gehabt – obwohl gegen Titelrivale Hermannia Kassel nur ein Punkt abgegeben worden war (1:0 in Schrecksbach, 1:1 in Kassel), lagen die Nordstädter in der Schlussabrechnung vorn.

Als nach Saisonende neben dem zum KSV Hessen wechselnden Günter Schaub mit Hans-Dieter Diehl erstmals ein Kicker der Schwalm von einem Bundesligisten unter Vertrag genommen wurde (1. FC Kaiserslautern), mussten an der Holzburger Straße vorübergehend kleinere Brötchen gebacken werden. Erst nach Einweihung des neu erbauten Metzenbergstadions gewann der Aufschwung ab 1976/77 wieder an Fahrt. In einem packenden Titelrennen mit Nachbar Tuspo Ziegenhain behielt die mit Ausnahme von Siebold, Götz, Ernst und Weber ausschließlich aus Einheimischen bestehende Elf die Nase vorn und feierte mit dem Aufstieg in die Hessenliga den bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Dass die Aufstiegsprämie in Höhe von 1 000 DM in vier Raten bezahlt werden musste, verdeutlich, wie überraschend der Klassensprung selbst für die Schrecksbacher Führungsriege gekommen war… Im hessischen Oberhaus agierte die laut »Hessen-Fußball« „erste Dorfelf in der Oberligageschichte“ um Heinz und Walther Kalbfleisch unglücklich. In fünfzehn Begegnungen blieb man ohne eigenen Torerfolg – trotz stabiler Abwehr (56 Gegentore) war der direkte Abstieg damit natürlich nicht zu verhindern. Selbst ein Trainerwechsel half nicht – Ex-Jugendleiter und Aufstiegscoach Erich Lange musste im November 1977 nach dreizehn Jahren in VfB-Diensten gehen und wurde durch Ex-FCN-Keeper Theo Diegelmann ersetzt. „Wir haben in der Euphorie des Aufstiegs unsere Leistungsfähigkeit überschätzt“, analysierte Manager Siegordner anschließend traurig. In Erinnerung blieben vor allem ein spektakuläres 3:4 im Kasseler Auestadion, sowie der für eine 1 600-Einwohner-Gemeinde sen­sationelle Zuschauerzuspruch von rund 2 000 Zahlenden pro Spiel!

1980/81 durfte man im „Oberligadorf“ erstmals an die Rückkehr in Hessens gute Stube denken. Punktgleich mit Hessen Hersfeld sowie Hermannia Kassel einlaufend, fehlte den Blau-Weißen in der Entscheidungsrunde lediglich ein Tor zum Klassensprung. Zwölf Monate später wiederholte sich das Schicksal. Erst im 23. Spiel kassierte der VfB um Rückkehrer „Tango“ Diehl seine erste Saisonniederlage (0:2 beim CSC 03 Kassel), belegte am Ende punktgleich mit den Kasseler Rothosen Rang eins – und verlor das fällige Entscheidungsspiel auf der Hersfelder Oberau unglücklich im Elfmeterschießen. 1982/83 klappte es im dritten Anlauf schließlich. Frühzeitig zogen die seit Saisonbeginn vom Marburger Realschullehrer Wolfgang Törner trainierten Schrecksbacher der Konkurrenz davon und standen lange vor Saisonende als Meister und Aufsteiger fest. Die Erfolgself hatte ihre Stärken vor allem in der Abwehr, wo neben dem angehenden Doktor Reinhold Schwalm mit Außenverteidiger Dieter Flach und Torhüter Klaus Leuthe zwei feste Größen wirkten. Trotz wohlwollender Unterstützung durch Mäzen Herzner war auch der zweite Ausflug ins hessische Oberhaus jedoch nicht von Dauer, zumal es auf der Schrecksbacher Trainerbank tüchtige Turbulenzen gab. Aufstiegscoach Törner hatte sein Amt aus beruflichen Gründen an Gyula Toth übergeben, der schon bald durch Ex-Bundesligatorhüter Rolf Birkhölzer ersetzt wurde. Immerhin vermochte man seinen Ruf als Zuschauerhochburg zu pflegen und erreichte den für hessische Verhältnisse bemerkenswerten Schnitt von 715 Zahlenden. Zurück in der Landesliga stand eine Zäsur an. Elf Spieler verließen das Metzenbergstadion, wo das Trainerduo Diehl/Törner vor einer schwierigen Aufgabe stand, zumal auch Manager Siegordner im Abstiegsjahr das Handtuch geworfen hatte. Zwar konnte der prognostizierte Absturz dank kontinuierlich nachströmender Talente zunächst vermieden werden, 1985/86 aber kam jede Hilfe zu spät. Erstmals seit dreizehn Jahren war der VfB nicht mehr in einem der beiden hessischen Amateuroberhäusern vertreten.

Mit Routinier Hans-Dieter Diehl, Walther Kalbfleisch und Manfred Krüger verabschiedeten sich daraufhin gleich drei Leistungsträger, woraufhin es 1988 mit einer ebenso jungen wie unerfahrenen Mannschaft in die A-Klasse ging. Es folgte ein ständiges Auf und Ab, ehe 1994 eine neue Erfolgsepoche einsetzte. Manager Manfred Siegordner war zurückgekehrt, mit dem Mengsberger Gerd Honig stand ein erfahrener Oberligaspieler an der Seitenlinie und schon 1995 gelang die Rückkehr in die Bezirksoberliga. Just zum 75. Geburtstag wurde der Aufschwung 1995/96 mit dem Durchmarsch in die Landesliga abgeschlossen. Dort setzte jedoch bald Ernüchterung ein. Mit ganzen vier Siegen, sechzehn Auswärtsniederlagen und 116 Gegentoren kam der VfB nicht über den letzten Platz hinaus und geriet zu allem Übel in den immer größer werdenden Schatten des Regionalligisten SC Neukirchen, der längst zur Nummer eins im Schwälmer Land aufgestiegen war.

Dieser Artikel stammt aus dem Buch "Legendäre Fußballvereine Hessen" AGON Sportverlag, Kassel, ISBN: 3-89784-244-0. In dem Buch werden 301 Fußballvereine aus Hessen porträtiert.

VfB Schrecksbach



Hessen

FC Stern Bremen

Aus: Legendäre Fußballvereine Norddeutschland


Legenden erwerben ihren Status durch Leistungen, die für die Ewigkeit sind. Zudem wird mit ihnen etwas Mystisches verbunden - wobei es im Grunde genommen einerlei ist, ob nun von James Dean, der „Titanic“ oder aber einem Fußballklub gesprochen wird.

Auch der FC Stern Bremen ist eine Legende - allerdings lediglich eine lokale und noch dazu eine vergessene. Sportlich fiel der Klub lediglich in der Spielzeit 1922/23 außerhalb der Bremer Stadtgrenzen auf, als ihm die Qualifikation zur End­­­runde um die "Nord­deut­sche" gelang und er am 25. März 1923 mit einem 1:4 gegen Eintracht Han­nover aus jener ausschied.

Dafür kann der 1945 in der heutigen BTS Neustadt aufgegangene Klub jedoch mit einer einzigartigen Sozialge­schichte aufwarten und dürfte zu­dem der erste Fußballverein Deut­schlands gewesen sein, der von einer Frau gesponsert wurde. Jene Dame hieß Lucie Flechtmann (Bild) und war ein berühmtes Bremer Original, das sich als "Fisch-Lucie" stadtweiten Bekanntheitsgrad erfreute und ob ihrer schlagfertigen Art sowie ihrem wirtschaftlichen Geschick be­liebt und gefürchtet war. Zum Fußball kam die 17fache Mutter durch ihre in unmittelbarer Nachbarschaft zum FC Stern-Platz gelegenen Wohnung am Hohentorsplatzes in der Neustadt.

Der 1907 gegründete FC Stern galt als "Verein der kleinen Leute" und bestach durch eine verschworene Ge­mein­schaft. Für "Fisch-Lucy" war er das ideale Terrain, ihrer ausgeprägten sozialen Ader nachzukommen. "Die Kinder und Ju­gend­lichen müssen spie­len, toben und sich richtig ausleben können", lautete ihr Credo, das für viele jugendliche Sternler ein Geschenk des Himmels war. Die Väter ar­beits­los oder im Krieg gefallen, da­heim depressive Untergangsstimmung - da konnte ihnen lediglich der Sport Ab­wechs­lung bieten. Und natürlich „Fish-Lucy“! Wer immer Hunger litt, konnte bei ihr vorbei gehen, wo stets ein dampfendes Süppchen auf dem Herd stand, oder es den einen oder anderen fetten Fisch abzustauben gab. Auch in sportlicher Hinsicht war "Fisch-Lu­cy" eine Bank für den FC Stern, bei dem immerhin der spätere Werder-Mittel­stürmer „Boy“ Mahlstedt das Fußballein­mal­eins erlernte. Wenn sie am Spielfeldrand ihre lautstarken Anweisungen gab, rollte der Ball wie am Schnürchen, während die gegnerischen Spieler eindrucksvoll verharrten. Nur anlegen durfte man sich mit der stämmigen Geschäftsfrau nicht - ihre Wutaus­brüche waren gefürchtet, und wer im Spiel nicht ausreichend Engagement an den Tag gelegt hatte, bekam anschließend ein Standpauke. Später, als Lucy nicht mehr gut zu Fuß war, wurde sie sogar im Stuhl zum Sportplatz getragen, um "dabei" zu sein.

Tragisch indes, dass sie den erwähnten größten Vereinserfolg nicht mehr miterlebte - "Fisch-Lucy" starb am 10. August 1921. Bei ihrer Trauerfeier musste die Polizei den Friedhof absperren, weil sich so viele Menschen von ihr verabschieden wollten.

Dieser Artikel stammt aus dem Buch "Legendäre Fußballvereine Norddeutschland. Zwischen TSV Achim, Hamburger SV und TuS Zeven".

Der Verdienst, die Geschichte von "Fisch-Lucy" ausgegraben zu haben, gebührt im Übrigen Werner Steinberg, dem ehemaligen Bibliotheksleiter der Handelskammer Bremen

Stern Bremen



Norddeutschland

Millionaros Bogota/Kolumbien

Aus: Weltfußball-Enzyklopädie Afrika, America und Ozeanien


Weltweit berühmtester, national aber keinesfalls beliebtester Klub Kolumbiens. Seinen Ruhm verdankt der Klub mit dem provokativen Namen der »El-Dorado«-Ära, als das legendäre River-Plate-Innentrio Di Stéfano-Pedernera-Rossi für die Blau-Weißen auflief.

1937 von Studenten des Colegio San Bartolomé bzw. des Instituto La Salle als Juventud Bogotana gegründet, wurde der Klub 1938 zu Municipal Bogotá und erhielt am 18. Juni 1946 seinen heutigen Namen Club Deportivo Los Millonarios. Vorausgegangen war die Schenkung einer größeren Geldsumme durch einen Gönner, die es dem Klub ermöglicht hatte, mehrere Akteure aus Argentinien und Uruguay zu verpflichten. Der Journalist Camacho Montayo hatte daraufhin spöttisch von »Los Millonarios« geschrieben – eine Bezeichnung, die die Klubführung um den späteren Verbandspräsidenten Alfonso Senior sofort übernommen hatte. Millonarios zählte zu den vehementesten Befürwortern einer Profiliga und war entscheidend für die Ablösung der DiMayor vom damaligen Nationalverband Adefút verantwortlich.

1948 sorgten »Los Albiazules« (die Weiß-Blauen) mit der Verpflichtung des erwähnten River-Plate-Innentrios sowie Alfredo Castillo für Schlagzeilen. Später stießen u. a. der Uruguayer José Jacuzzi, Torsteher Julio Cozzi, Pedro Cabillon sowie die Schotten Billy Higgins und Bobby Flavell zum »blauen Ballett«, das enorme Zuschauerkulissen anlockte und in dem mit Francisco »Cobo« Zuluaga nur noch ein Kolumbianer stand. Bis zum Ende der El-Dorado-Epoche (1953) errangen die Millionäre vier Meistertitel. Anschließend führte Trainer Gabriel Ochoa Uribe den Verein von 1959 bis 1964 zu drei weiteren nationalen Erfolgen bzw. 1960 ins Halbfinale der Copa Libertadores.

1972 und 1978 mit Ausnahmetalent Willington Ortiz zwei weitere Male Landesmeister geworden, geriet der Klub in den 1980er Jahren in die Hände des dem Medellíner Kartell nahestehenden Drogenboss Gonzalo Rodríguez Gacha (»der Mexikaner«). Mit seiner Hilfe (und den Drogengeldern) gelang es, die damalige América-Dominanz in der Nationalliga zu brechen und den Titel sowohl 1987 als auch 1988 nach Bogotá zu holen. Als Rodríguez Gacha 1989 erschossen wurde, gerieten die nunmehr mittellosen Millionäre in Turbulenzen und mussten sich seitdem mit zwei Vizemeisterschaften (1994, 1996) begnügen.

[1937 | Nemesio Camacho »El Campín« (48.600) | 13]

Dieser Beitrag stammt aus der Fußballweltenzyklopädie, Band 2 (Afrika, Amerika und Ozeanien)

Bogota



Welt2

Al Wihdat/Jordanien

Aus: Weltfußball-Enzyklopädie Europa und Asien


Wihdat (»Einheit«) steht in erster Linie für einen schweren innenpolitischen Konflikt, der Jordanien über Jahrzehnte quälte.

Wihdat ist ein vor den Toren Ammans gelegenes palästinensisches Flüchtlingslager, das 1950 eingerichtet wurde, nachdem Jordanien das für den geplanten palästinensischen Staat vorgesehene Westjordanland besetzt hatte. Anfangs etwa 5.000 Köpfe stark, wuchs das Lager binnen weniger Jahre auf rund 30.000 Menschen an und avancierte zum politischen Hauptquartier von Yassir Arafats Palästinenser-Organisation PLO.

Innerhalb des Lagers wurde auch eine Fußballmannschaft gebildet, die 1975 in die jordanische Nationalliga aufstieg. Da die jordanische Führung im Anschluss an den Bürgerkrieg gegen die palästinensischen Fedayeen versuchte, die palästinensische Identität zu unterdrücken, wurde Wihdats Fußballteam zu einem Politikum und heimlichen Repräsentanten der Palästinenser, dessen Geschicke weit über Ammans Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregten. Selbst im fernen Gazastreifen wurde gejubelt, als die Mannschaft 1980 erstmals jordanischer Landesmeister wurde.

Auf der anderen Seite kam es bei den Ligaspielen der palästinensischen Elf gegen königstreue jordanische Teams regelmäßig zu Ausschreitungen. Vor allem das Verhältnis zwischen Al-Wihdat und dem Königsklub Al-Faisaly war von Gewalt überschattet, die sogar mehrere Menschenleben forderte. Nachdem es 1986 im Rahmen eines Spiels gegen Al-Ramtha Irbid erneut zu Ausschreitungen gekommen war, wurde Al-Wihdat von der jordanischen Regierung verboten.

Der Nachfolgeverein Nadi Al-Diffatain (»Klub der zwei Banks«, gemeint sind die West Bank/Westjordanland und die East Bank/Gazastreifen) wurde derweil unter jordanische Führung gestellt und bekam zur Auflage, sowohl palästinensische als auch jordanische Spieler aufzunehmen. Schon zwei Jahre später gelang der erneute Titelgewinn.

Nach den ersten demokratischen Wahlen im November 1989 wurde der Klub schließlich an die Palästinenser zurückgegeben, und er durfte seinen Gründungsnamen wieder annehmen. 1990 qualifizierte sich Al-Wihdat als erster jordanischer Klub für die Endrunde um die Asienmeisterschaft, konnte aber aus finanziellen Gründen nicht zum Endturnier nach Malaysia reisen.

Gemeinsam mit Al-Faisaly dominieren die Palästinenser seit Jahrzehnten den jordanischen Ligafußball, wobei sich das Verhältnis zwischen den beiden Klubs inzwischen deutlich entschärft hat.

Dieser Beitrag stammt aus der Fußballweltenzyklopädie, Band 1 (Europa und Asien)

Al Wihdat



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