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Radfahren

Tour d'Afrique 2011

Vor dem Start

Vorbericht zum Start der Tour d'Afrique 2011



Draußen stürmt und schneit es. Mal wieder. Und ich träume von Afrika. Mal wieder. In sieben Tagen beginnt das größte Abenteuer meines Lebens: die Tour d’Afrique, das längste Radrennen der Welt. Und ausgerechnet jetzt wird Europa vom Jahrhundertwinter heimgesucht, liegt mein Trainingsplan tief begraben unter Schneemassen.

Wenn ich am 15. Januar unter den Pyramiden von Kairo mein Fahrrad erklimme, lautet das Ziel Kapstadt. Vier Monate lang stehen täglich durchschnittlich 123 Kilometer auf dem Programm. Mit 12.000 Kilometern hat es die Tour d’Afrique sogar ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft.

Ich will dabei sein. Aus Lust am Abenteuer, aus Neugierde und aus Bequemlichkeit. Weil sich mit 48 das Bedürfnis aufdrängte, die Komfortzone mal wieder zu verlassen und zu schauen, wo die eigenen Grenzen eigentlich so verlaufen. Was Verrücktes zu wagen. Mit dem Fahrrad durch Afrika radeln. Ich habe Glück. Als freischaffender Schreiber kann ich mir nicht nur ein solches Abenteuer gönnen, sondern es auch gleich noch als „Arbeitszeit“ deklarieren. Wobei es möglicherweise angenehmere Erwerbstätigkeiten gibt, als sich in brütender Hitze über sandige Pisten zu quälen, um anschließend der Welt darüber zu berichten.

Die Tour d’Afrique wird seit neun Jahren ausgetragen. 63 Fahrer aus aller Welt nehmen 2011 an ihr teil. Männer sind in der Überzahl, und das Altersspektrum erstreckt sich von 20 bis 65 Jahre. Los geht es in Ägypten. Danach pedalen wir durch den Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, Malawi, Sambia, Botswana und Namibia bis nach Südafrika, wo am 14. Mai der Sieger gekürt wird. Gefahren wir mit eigenen Fahrrädern. Ich bin auf einem Crossrad unterwegs, mit dem ich „im Gelände“ mangels Federung ordentlich leiden werde, dafür aber auf der Straße alle Vorteile auf meiner Seite habe. Genächtigt wird in Zeltlagern, und die Verpflegung erfolgt über eine bessere Feldküche. Erholungsurlaub sieht wohl anders aus.

Es war ein Zufall, der mich zur Anmeldung verführte. Im Internet entdeckt, packte mich der schiere Wahnsinn dieses allumfassenden Abenteuers und ließ mich nicht mehr los. Ein paar Tage des Überlegens, ein paar Nächte des Internet-Surfens und ein paar Filmchen vergangener Touren auf youtube später war ich bereit.

Seitdem beherrscht die Tour d’Afrique meinen Alltag. Aus beiläufigen Feierabendrunden wurden gezielte Trainingseinheiten zur Förderung der Kondition. Im Fitnessstudio stählte ich all jene Muskeln, die beim Radfahren zu kurz kommen, und meinen Urlaub verbrachte ich damit, in den Alpen die Berge hoch- und runterzupeitschen.

Immer vor Augen: Afrika. Schon die Vorstellung, unter den Augen der Spinxh ins größte Abenteuer des Lebens zu radeln, treibt den Adrenalinspiegel hoch. Dann der Irrsinn, vier Monate lang jeden Tag aufs Rad zu steigen. Um den Tagessieg kämpfen, sich im Bergzeitfahren bewähren, Klima und Terrain trotzen, Afrika erleben.

Es wird die einfachste Zeit meines Lebens sein, denn die tägliche Aufgabe ist überschaubar: Mit dem Sonnenaufgang losradeln, um der größten Hitze zu entgehen. Nach sechs bis sieben Stunden am Tagesziel ankommen, sich, sofern Wasser vorhanden ist, ein wenig frisch machen, Rad und Körper pflegen, Zelt aufbauen und früh im Schlafsack verschwinden, um zu regenerieren.

Angst? Eigentlich nicht. Respekt natürlich. Afrika ist schließlich ein Kontinent, der keinen Fehler verzeiht. Einmal bei der Nahrungsaufnahme unvorsichtig sein, und schon plagt einen der Durchfall. Das mag auf einer gemütlichen Asphaltstraße noch vorstellbar sein, ist aber auf tückischen Geröllpisten sicher kein Spaß mehr. Und noch etwas beschäftigt mich: für die Tour d’Afrique werden keine Straßen abgesperrt, wir müssen also im Verkehrsstrom mitschwimmen. Und das ist in Afrika selten ungefährlich. Letztes Jahr stieß ein Rennfahrer mit einem einheimischen Radler zusammen, der auf der falschen Straßenseite unterwegs war. Es braucht Nerven mit Muskeln, um sich als Radler in den afrikanischen Verkehr zu stürzen.

Aber was für eine gewaltige Belohnung wartet auf uns! Abseits der ausgetretenen Touristenpfade werden wir diese unerschöpfliche Schatzkiste Afrika unmittelbar und in ihrer ganzen Vielfalt erfahren. Die Menschen, die Landschaft, die Tiere, die Städte, das Essen, die Nächte, die Freude, die Sorgen. Zudem werden wir in unseren bunten Radklamotten und mit unseren Hightech-Rädern selbst für Aufsehen sorgen. Spannende Begegnungen sind da wohl garantiert!

Mein Ziel ist der „EFI-Status“. „EFI“ steht für „every faboulous inch“ – „jeder fantastische Millimeter“, wobei das auch schon mal zu „every fucking inch“ wechselt – „jeder beschissene Millimeter“. Um ihn zu erlangen, ist der Besenwagen, der gestrandete Radler aufsammelt, natürlich Tabu. Illusionen auf den Gesamtsieg mache ich mir nicht. Mit meinen 48 Jahren und meinem hobbytrainierten Körper kann ich froh sein, wenn ich überhaupt in Kapstadt ankomme. Die eine oder andere Überraschungsattacke aber mag drin sein. Man muss sich ja schließlich Ziele setzen. Selbst im größten Abenteuer des Lebens.

Tour d'Afrique

Während der Tour d'Afrique habe ich für verschiedene Zeitungen geschrieben. Hier eine kleine Auswahl der Artikel.

Erster Artikel aus der FAZ

Zweiter Artikel aus der FAZ

Dritter Artikel aus der FAZ

Artikel aus der Neuen Zürcher

Erster Artikel aus dem Göttinger Tageblatt

Zweiter Artikel aus dem Göttinger Tageblatt

Dritter Artikel aus dem Göttinger Tageblatt

Artikel aus Sportal

Bildergalerie Göttinger Tageblatt

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